Okt 06

Ich werde immer wieder gefragt “Was versteht man denn unter barrierefreiem Screendesign?”.

Die Frage wird mir meist dann gestellt, wenn im Vorfeld schon einiger Quatsch erzählt wurde. Die Meisten verstehen darunter immer “nur”, dass es sich hierbei um Design und Layout handelt, was in jedem Browser so angezeigt wird, dass man keinen Unterschied zwischen den einzelnen Browsern bemerkt. Sicher ist das ein Teil davon, aber nicht Antwort auf alle Fragen. Barrierefrei besteht aus ganz vielen kleinen Bereichen mit lustigen englischen Bezeichnungen. Auf die wichtigsten werde ich mal versuchen einzugehen.

Accessibility, wird immer wieder als die Definition von Barrierefrei benutzt. Nachtrag: “Es ist die Deutsche Übersetzung aus dem Englischen.” (Zugänglichkeit, Erreichbarkeit = Barrierefreiheit “Wäre eine Definition”) Auch werden Usability und Accessibility gleich gestellt. Und das stimmt nach meiner Meinung so nicht. Hier gibt es Unterschiede, welche wirklich wichtig sind.

Usabillity ist die Benutzerfreundlichkeit einer Internetseite für “normale” Menschen, die ohne Behinderung eine Seite bedienen und deren Informationen verarbeiten können. Bei einer optimalen Usability reden wir von einer Internetseite, die für den Rezipienten ersichtlich und logisch erklärt wird. Das heißt, mir wird jede Informationen und jede Zusatzinformation durch optimale Technik und Semantik leicht zugänglich ausgegeben.

Accessibility, ist die Technologie, welche der Seite zur Verfügung gestellt wird, um die Zugänglichkeit für Leute mit Behinderung zu ermöglichen. Sie ist aber nicht zuständig dafür, dass der User mit Behinderung die Information zum Schluss tatsächlich auch erhält bzw. wahrnehmen kann. Nein, sie stellt nur die Möglichkeit zur Verfügung! Also ist es möglich sich die Seite vorlesen zu lassen (schlechtes Sehen, blind, oder Leseschwächen), sie zu vergrößern (schlechtes Sehvermögen) und eine Ausgabe für Blinde, die mit einer sogenannten Braille-Zeile Informationen aufnehmen können, zu erhalten. (Blindenschrift)

Wie wir sehen, gehen Accessibility und Usability nicht Hand in Hand. Ich kann eine Seite reinweg für Leute mit Behinderung erstellen, welche einem Menschen mit “normalen” Fähigkeiten vielleicht den Nerv rauben könnte. Oder wir erstellen eine Seite, bei der wir mit Grafiken und lustigen Designs nur so zugepflastert werden, bei welcher ein Mensch mit Behinderung einfach keine Möglichkeit hat, Informationen zu erhalten.

Ich denke, das richtige Maß an Information und die entsprechende Selektion meiner Zielgruppe, lassen mich entscheiden, ob ich mehr auf Accessibility oder Usability Rücksicht nehme.

Finde ich eine optimale Balance, und schaffe es, Leuten mit und ohne Einschränkung ein genügendes Informationsangebot zur Verfügung zu stellen, dann können wir erst von Barrierefreiheit sprechen.

Was sollten wir verstehen?

Barrierefreiheit ist nicht nur zwischen den Interpretationsschwierigkeiten einzelner Browser zu sehen. Nein, hier spielt auch der Informationsaustausch zwischen “normalen” und Menschen mit einer Einschränkung eine große Rolle.

Nachtrag: Hier wird nicht diskriminiert. Es gibt nun mal Menschen mit Einschränkung. Ich versuche mit diesem Beitrag eingentlich zu vermitteln.

Denn das ist Barrierefrei!